2014/02/01

Kdenlive, Kubuntu und das Contour ShuttlePro v2 Jog Dial

Videoschnitt in Kdenlive mit dem
ShuttlePRO v2 von Contour.
So universell auch eine Computermaus ist, manche Dinge gehen mit spezielleren Eingabegeräten einfach bequemer von der Hand. Das Schneiden und Bearbeiten von Videomaterial ist ein solcher Fall, bei der bislang die Tastatur gegenüber der Maus für viele Arbeitsschritte einfach besser geeignet ist. Aber es gibt extra dafür auch spezialisierte Eingabegeräte, die zwischen Maus-Rollrad und Tastatur angesiedelt sind und insbesondere die Arbeit beim Videoschnitt vereinfachen...

Nachtrag: Korrektur der Belegungstabelle für die Tasten 14 und 15.
Nachtrag: Hinweis auf das Einrichten eines stabilen /dev/input/input00 Symlink zum ShuttlePro für Kdenlive mit aufgenommen.

Und so habe ich ein sogenanntes Jog Dial der Firma Contour erstanden: das ShuttlePRO v2. Contour vermarktet das Gerät übrigens als «multimedia controller».

Diese Geräte sind in der Video- und Musikbranche offensichtlich durchaus recht bekannt und seit langem im Einsatz. Für mich entscheidend war zudem, dass das ShuttlePRO v2 mehreren Berichten zufolge auch unter Linux und insbesondere zusammen mit Kdenlive eingesetzt werden kann.

Also bestellte ich mir das Gerät bei einem sehr großen Versandhändler, der auf Musikinstrumente und die ganze Technik drumherum spezialisiert ist, daneben aber auch noch ein bisschen Videotechnik anbietet. Da der Händler das ShuttlePro auf Lager hat, war die Lieferung zwei Tage später schon da.

Kdenlive, Linux und das ShuttlePro


Das Anschließen des ShuttlePRO v2 ist dank USB einfach und der Linux-Kernel erkennt das Gerät auch sofort als Eingabegerät. Ein spezieller Treiber (also ein Kernelmodul) ist zum Glück nicht erforderlich. Allerdings gibt es leider bislang auch keine eigene bequem zu bedienende Software, mit der man die Tasten des ShuttlePro in Abhängigkeit vom gerade aktiven Programm mit passenden Programmfunktionen belegen könnte.

Allerdings musste ich nach diesem erfolgreichen Auftakt doch noch eine Hürde überwinden: Kdenlive wollte das ShuttlePro partout nicht erkennen. Glücklicherweise bestätigte sich aber rasch mein Verdacht, dass Kdenlive nach veralteten Namen der Form /dev/input/inputX sucht. Das aktuelle Namensschema sieht unter Linux für alle Arten von Bedienungsgeräten aber /dev/input/eventX vor, dementsprechend gibt der Kernel das ShuttlePRO bekannt.

Letztlich lässt sich das Problem recht einfach mit Hilfe einer eigenen udev-Regel aus dem Weg räumen. Bei Debian-basierten Distributionen, wie beispielsweise Kubuntu, legt man dazu (natürlich als Benutzer root) im Verzeichnis /lib/udev/rules.d eine Datei 99-shuttlepro.rules an, die lediglich die folgende Zeile Text enthält:
ATTRS{name}=="Contour Design ShuttlePRO v2" MODE="0666" SYMLINK+="input/input%n"
Das ist eigentlich schon alles, was gefehlt hat. Danach muss man den udev-Dämon mit dem folgenden Kommando noch zum Einlesen der soeben geänderten Konfiguration bewegen:
#udevadm control --reload
Steckt man nun das ShuttlePRO v2 ein, dann wird der von Kdenlive erwartete Gerätename korrekt eingerichtet. Somit steht dem Einsatz des ShuttlePRO v2 in Kdenlive ab sofort nichts mehr im Wege. Viel Spaß!

Nachtrag: Leider nummeriert der Linux-Kernel USB-Geräte und insbesondere Multimedia-Controller wie das ShuttlePRO nach einem Neustart oder dem Aufwachen aus dem (Tief-) Schlaf regelmäßig um (IPv6 lässt grüßen!). Damit verliert Kdenlive aber den Kontakt zum ShuttlePRO.

Glücklicherweise erlaubt es das udev-System aber, Eingabegeräte aber auch über ihre stabile Kennung zu erreichen. Im Fall des ShuttlePro v2 heißt der entsprechende Name /dev/input/by-id/usb-Contour_Design_ShuttlePRO_v2-event-if0. Legt man sich nun (als Superuser) einen passenden symbolischen Link mit einem Kdenlive-gängigen Namen an, dann hat man Ruhe. Kdenlive findet sein Gerät immer wieder.
$sudo ln -s /dev/input/by-id/usb-Contour_Design_ShuttlePRO_v2-event-if00 /dev/input/input00

Wozu das Teil?


Innen: Bild-genaue Bewegung.
Außen: Abspielen vorwärts und rückwärts
in verschiedenen Geschwindigkeiten.
Irgendwie erinnert mich das ShuttlePRO v2 an ein verunfalltes Stück Pizza, das da nun auf meiner Tischoberfläche klebt. Das tut es dank seiner sechs Gummifüßchen auch sehr beharrlich.

Zentrale Elemente beim ShuttlePRO sind das innere Rad sowie dessen äußerer Ring. Beide lassen sich getrennt bewegen und besitzen unterschiedliche Funktionen.

Das (silberfarbige) innere Rad dreht sich wie das von Computermäusen bekannte Rädchen für den Bildlauf endlos. Das Rad dient in Kdenlive dem Bild-genauen Positionieren, wobei die Rastung des Rads für eine angenehme und saubere haptische Rückmeldung sorgt. Damit lassen sich Schnittpositionen sehr bequem präzise festlegen.

Der (schwarze) Drehring um das innere Rad herum lässt sich hingegen nur jeweils eine Vierteldrehung nach links oder rechts drehen. Sobald man ihn loslässt, dreht sich der Ring wieder in seine mittige Ausgangsstellung zurück. Mit diesem Drehring steuert man in Kdenlive die Richtung sowie Abspielgeschwindigkeit eines Clips oder des Projekts.

Eine Drehung des Rings im Uhrzeigersinn spielt vorwärts ab, eine Drehung entgegen des Uhrzeigersinns entsprechend rückwärts. Je weiter man den Ring dreht, desto schneller spielt Kdenlive den Clip vorwärts oder rückwärts ab. Lässt man den Ring los, dann stoppt Kdenlive das Abspielen sofort.

Mit diesem Drehring lässt sich also Rohvideomaterial rasch und bequem sichten. Sobald man eine interessante Szene gefunden hat, kann man notfalls mit dem inneren Rad eine geeignete Schnittposition anfahren. Legt man sich nun auf die diversen Tasten des ShuttlePRO noch die entsprechenden Kdenlive-Funktionen, dann kann man so Schnittmarken setzen, ohne dazu immer zwischen Tastatur und Maus wechseln zu müssen. Eine Hand kann so immer auf dem ShuttlePRO verbleiben. Die zweite Hand ist somit frei für die komplizierteren Aktionen, die mehr Koordination erfordern.

Tastenbelegung


Meine Tastenbelegung des ShuttlePro in Kdenlive.
Kdenlive bietet die Möglichkeit, die Tastenbelegung des ShuttlePRO innerhalb von Kdenlive anzupassen. Dazu wählt man Menü «Einrichten» den Punkt «Kdenlive einrichten...» aus.

In der Rubrik «Jog/Shuttle» aktiviert man zuerst einmal seinen Shuttle und wählt das richtige Gerät aus.

Das ShuttlePRO v2 besitzt insgesamt 15 Tasten, die fast alle der Reihe nach in Zeile von links nach rechts und dann Zeile für Zeile von oben nach unten durchnummeriert sind. Die Ausnahme bilden die beiden schwarzen Tasten links und rechts neben dem Drehrad mit dem Drehring: das sind außer der Reihe die Tasten 14 und 15 (und nicht etwa 9 und 10). Das ursprüngliche ShuttlePRO kannte diese beiden Tasten noch nicht und offensichtlich entschied man sich bei Contour dazu, die bisherige Tastennummerierung nicht beim Wechsel zum ShuttlePRO v2 durcheinander zu bringen. Sehr löblich.

Ich habe mir die Tasten für Kdenlive wie folgt belegt:
  • oberste Tastenreihe
    • 1: Auswahlwerkzeug
    • 2: Abstandwerkzeug
    • 3: Pause
    • 4: Monitor wechseln (zwischen Clipmonitor und Projektmonitor)
  • zweite Tastenreihe
    • 5: Clip im Projektinhalt
    • 6: Bereich in die Zeitleiste einfügen
    • 7: Bereich abspielen
    • 8: 1 Sekunde zurück
    • 9: 1 Sekunde vorwärts
  • schwarze Tastenreihe
    • 14: zum Anfang des Bereichs gehen
    • 15: zum Ende des Bereichs gehen
  • untere silberne Tastenreihe
    • 10: zum Anfang des Clips gehen
    • 11: zum Ende des Clips gehen
  • unterste silberne Tastenreihe
    • 12: Bereichs-Anfangspunkt setzen
    • 13: Bereichs-Endpunkt setzen

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