2014/03/06

Backscatter Flip 3.1 im Praxistest

Inzwischen konnte ich meine neu erworbene Ausrüstung von Backscatter endlich einmal in der Praxis ausprobieren. Ein Wochenende am Plansee in Tirol bot eine geeignete Testumgebung, um der Ausrüstung etwas näher auf den Zahn zu fühlen: das Wasser grün wie Altglas und dazu ein bedeckter Winterhimmel.

Und dann fraß GoPro auch noch mein Test-Videomaterial: die fehlerhafte Firmware löschte kurzerhand (wieder einmal) das Dateisystem aus. Zum Glück konnte ich jedoch noch einen ganzen Teil des beschädigten Videomaterials retten und reparieren, so dass der Test nicht ins Wasser fallen musste...

Nachtrag: es gibt neben den Beispielbildern inzwischen auch bewegte Bilder zu diesem Test, das Video ist weiter unten zu finden.

Grünwasserfilter


Zunächst einmal kam der Grünwasserfilter für das Flip-3.1-System von Backscatter zum Einsatz. Um einen guten Vergleich mit/ohne Farbfilter ziehen zu können, habe ich zwei Kameras vom Typ GoPro HD Hero 3 Black Edition gleichzeitig eingesetzt. Eine Hero schaute dabei durch den Farbfilter, während die andere Hero ganz normal den Plansee von unten betrachtete.

Bei beiden Kameras war Protune aktiviert und der Weißabgleich bewusst auf WB Raw geschaltet. Gefilmt habe ich sowohl in 2.7K/25/W (25 Bilder/s, Narrow FOV) als auch 1080/25/N. Mir ging es bei meinen Tests mit Absicht nicht darum, den mieserabel arbeiten Weißabgleich vorzuführen – der ist allgemein bekannt und gefürchtet. Ich möchte hingegen prüfen, inwiefern ein semiprofessioneller Anwender vom Grünfilter profitiert oder nicht profitiert. Und da gehört Protune/WB Raw zum Handwerkszeug.

1. Mit dem Grünwasserfilter aus der Hüfte gefilmt



Im ersten Bild direkt über diesem Text sieht man links das Videobild mit Grünwasserfilter und im direkten Vergleich dazu das optisch unveränderte Videobild. Beide Rohbilder wurden jeweils mit der Protune-Tonwertkurve entzerrt, die Sättigung angehoben und das gesamte Bild nachgeschärft. Dieses Vorgehen entspricht in etwa dem, was die Kamera bei abgeschaltetem Protune treibt.

Erwartungsgemäß machen sich im rechten Bild die grünen Schwebstoffe deutlich sichtbar bemerkbar. Mit dem Grünwasserfilter sieht das Bild recht proper aus, eine weitere Farbnachbearbeitung ist hier nicht nötig. Eins-zu-Null für den Filter?

2. Was der Filter kann, kann ich schon lange...


Da ich aber gewohnt bin, die Tonwertkurven zu schwingen, möchte ich natürlich wissen, ob ich das im gewohnten Prozess nicht deutlich billiger hinbekomme. Schließlich verlangt Backscatter eine stolze Summe für den Grünwasserfilter und das Ganze Drumherum.


Einmal die Maus am Grünkanal geschubst und ganz vorsichtig am Rotkanal geangelt ... und schon passt das Ergebnis farblich. Ein wenig muss ich noch die Helligkeit nachjustieren. Aber das ist alles eine Sache weniger Mausklicks. Und deutlich billiger.

Ausgleich. Wenn ich an die Kosten von Filter und Rahmen denke, dann steht es Eins-zu-Zwei für Kdenlive. Da kann ich noch lange Farben fälschen, bis ich das Geld für den Filter heraus habe.

3. Im Flachwasser


Aber mit dem Grünwasserfilter geht doch alles einfacher, richtig? Aber warum hat Backscatter dann inzwischen schon zwei verschiedene Rotfilter für Aufnahmen im flachen und tieferen Wasser im Programm...?


Und in der Tat, auch beim Grünwasserfilter wären eigentlich Abstufungen nicht schlecht. Insbesondere der eigentlich schwarz-blaue Trocki meiner Tauchpartnerin Michaela bekommt durch den Filter einen leichten Stich in Richtung pink. Man kann das jetzt natürlich darauf schieben, dass die Mädels das mögen ... aber im Ernst: je mehr Licht in niedrigen Tiefen, desto mehr verpasst der Grünwasserfilter dem Videomaterial einen Farbstich. Hier kann möglicherweise der automatische Farbabgleich ausnahmsweise helfen; das werde ich einmal gesondert austesten.

Ich habe am linken Bild keinerlei Farbnachbearbeitung vorgenommen, bis auf den üblichen Protune-Prozess mit Anheben der Farbsättigung und Nachschärfen.

Das rechte Bild ist wie immer aus der zweiten Hero ohne optischen Schnickschnack. Hier habe ich bereits eine manuelle Farbkorrektur vorgenommen, die meiner Meinung nach das ansehnlichere Ergebnis ergibt. Sicherlich kann man auch das linke, gefilterte Bild problemlos noch beiziehen ... aber wofür kaufe ich dann den teuren Filter?

4. Grünwasser-Mikado


Verzichtet man auf DIR-konforme Trockis im Videobild, dann sieht es mit Grünwasserfilter nicht ganz so schlecht aus.


Hier gefällt mir tatsächlich einmal das Videobild direkt aus dem Farbfilter besser. Die Details in den Schatten unterhalb der Baumstämme kommen ohne weitere Nachbearbeitung schon von selbst gut heraus. Rechts muss ich dazu nachjustieren und selbst dann gelingt es mir nicht ganz so gut wie mit dem Farbfilter. Hier haben anscheinend Licht und Tiefe gepasst.

Mir sind beim Filmen mit dem Grünwasserfilter keine sichtbaren Unterschiede zwischen dem Filmen in 2.7K/25 und 1080/25 aufgefallen. Die leicht unterschiedliche Empfindlichkeiten je nach Aufnahmemodus können jedoch vereinzelt schon zu leichten Unterschieden führen.

Makrolinse


Neben dem Farbfilter kam natürlich auch die +10 Makrolinse auf den Prüfstand. Zunächst einmal der Vergleich, wenn man in der Totalen mit 2.7K filmt.


Zwei leichte Unterschiede sind im Bild oben zu erkennen. Zum einen verändert sich der Bildausschnitt etwas, was aber in den meisten Fällen in der Totalen nicht ins Gewicht fällt. Zum anderen ist das Bild mit Makrolinse ein ganz klein wenig unschärfer. Man erkennt dies, wenn man einmal die blauen Logos auf der Doppel-Zwölf vergleicht. Beide Bilder habe ich gleich behandelt, also jeweils die Protune-Tonwertkurve entzerrt und insbesondere den Grünkanal nachjustiert. Danach die Sättigung angehoben und wie üblich nachgeschärft.


Auch das nächste Bild (oben) zeigt keine besonderen Auffälligkeiten.

Der wesentliche Grund für die Makrolinse ist jedoch, dass ich damit nun noch ein wenig näher an meine Motive herankomme, bevor das Bild unscharf wird. Und damit beschließe ich meinen kleinen Praxistest mit einer Aufnahme eines der Krebse, der unerschrocken auf meine Kameras zuhielt. Er wollte wohl unbedingt in die Sonnen...


Der Vergleich in bewegten Bildern


Meinen kleinen Praxistest könnt ihr euch auch in bewegten Bildern ansehen. Damit bekommt ihre einen Eindruck davon, was das System Flip 3.1 leistet und was es nicht mehr leistet als ordentliches Handwerk im Post (also in der Nachbearbeitung).

Backscatter Flip 3.1 Praxistest (view on YouTube)

Persönliches Fazit


Mein persönliches Fazit fällt sehr gemischt aus. Qualitativ ist das Backscatter-System wirklich hochwertig und solide. Da wackelt nichts beim Tauchgang, alles sitzt sicher. Das verwendete Aluminium ist sorgfältig eloxiert, so dass auch Salzwasser dem System so schnell nichts anhaben dürfte. Nach dem Gebrauch spült man das System einfach im Süßwasser, was man bei den Kameragehäusen sowieso immer tun sollte.

Der Grünwasserfilter von Backscatter erfüllt seine Aufgabe recht ordentlich, aber er ist kein Allheilmittel. Wer sich nicht vor dem Nachbearbeiten der Farben drückt, erzielt praktisch die gleichen Ergebnisse wie mit dem Grünwasserfilter für deutlich weniger Geld bei minimalem Zeitaufwand. Gerade im flacheren Wasser und bei mehr Helligkeit kann der Farbfilter auch seinerseits zu Farbverfälschungen führen. Wer also den Filter als Rundum-Sorglos-Paket sieht, ist bei Filtern sowieso falsch.

Die +10 Makrolinse hilft bei Nahaufnahmen, den Bereich zu verkürzen, ab dem die Unschärfe beginnt. Erwartungsgemäß ist der Einfluss in der Totalen gering. Erst nah am Motiv gewinnt die Makrolinse an Bedeutung. Allerdings würde ich mir hier noch mehr wünschen; vielleicht probiere ich es einmal mit einer zweiten +10 Makrolinse.

Bislang habe ich meine bisherige These noch nicht widerlegen können, dass man das Geld für einen Farbfilter sich getrost sparen kann. Hat man ihn, dann ist er ein nettes Zubehör. Ob man angesichts des Systempreises aber unbedingt einen Grünwasserfilter braucht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Und gerade auch beim Tauchen in tropischen Gewässern sind Rotfilter ebenfalls keine magischen Allheilmittel. Aber wer gibt schon einen dreistelligen Betrag für zwei Rotfilter mit Drehgelenken aus?

Ich werde jedenfalls mit meinem Grünwasserfilter und der Makrolinse weiter experimentieren und bei Gelegenheit mit mehr Erfahrung dann auch wieder berichten.

1 Kommentar:

Thomas Heidemann hat gesagt…

Hallo,
schöner, objektiver Test des Filtersystems. Genau nach soetwas habe ich gesucht :)

Gruß
Thomas